Ich habe den kleinen Jungen schon länger beobachtet, den kleinen Jungen auf seiner schwebenden Insel. Er hat mich beeindruckt, weil er nie von dort weggegangen ist. Im Gegenteil: Er scheint mir sehr zufrieden mit seiner Lage. Alleine mit wie viel Stolz er das Schild an seiner Brust trägt. "Oberster Brückenbauer" ist es daraufgekrakelt, darüber ein kleiner fünfzackiger Stern. Denn wannimmer eine Insel in gleichem Tempo neben ihm herschwebt, holt er Holzplanken, Hammer und Nägel und macht sich ans Werk. Auf den anderen Inseln holt er sich Essen, Trinken und alles, was er braucht. Auf seiner gibt es ja nur Holzplanken, Hämmer und Nägel.

Wenn seine oder die andere Insel weiterschwebt, (denn Inseln bestimmen ihr Tempo selbst), dann zerreißt sie auch die Brücke. Doch das stört den kleinen Brückenbauer nicht. Er schreibt auf die verbleibende Planke an seiner Insel alles, was er von der anderen Insel bekommen hat. So behält er sie in guter Erinnerung. Noch lange überkam ihn ein leichtes Grinsen, wenn er an der Planke mit der Aufschrift "Schnaps" vorbeiging.

Falls du dich nun fragst, warum ich all dies schreibe, auch das hat einen Grund. Wie ich schon sagte, habe ich den kleinen Jungen nun schon länger beobachtet, doch in letzter Zeit wirkt er etwas missmutig. Wenn er heute an einer seiner Planken vorbeigeht, lässt er den Kopf hängen, wirkt traurig. Manchmal versucht er, sie zu zählen. Er kommt nie weiter als fünfzig. Ich könnte schwören, seinen Schmerz zu spüren. Schon lange liest er nicht mehr die Inschrift mit Freude über das, was er bekommen hat, sondern mit Trauer über das, was er verloren hat. Mir scheint, seine kleinen Arme werden langsam zu müde, stets neue Brücken zu bauen. Ich frage mich, wie lange er sein tollkühnes Herz behalten kann und ob er schon bald seine letzte Brücke gebaut haben wird. Deshalb bitte ich dich, lieber Leser, wenn du auf einer Insel mit Steinen und Lehm lebst, entlaste seine Ärmchen und hilf ihm, eine Brücke zu bauen, die die Zeit übersteht.